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Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie, DDG
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Wenn der Zucker zu tief ist

Unterzuckerungen gehören zu den schwerwiegendsten Nebenwirkungen der Diabetesbehandlung. Für viele Menschen mit Diabetes, aber auch für Angehörige, zählt der Umgang mit Unterzuckerungen daher zu den größten Belastungen im Zusammenhang mit der Erkrankung. Lesen Sie im Folgenden, wie Unterzuckerungen entstehen und warum es gar nicht so einfach ist, diese rechtzeitig wahrzunehmen und richtig gegenzusteuern.


 

Wie entsteht ein Unterzucker?

Zu tiefe Blutzuckerwerte, Unterzuckerungen oder Hypoglykämien (Hypos) genannt, entstehen immer dann, wenn sich im Verhältnis zum aktuellen Insulinbedarf zuviel Insulin im Körper befindet. Von einer Unterzuckerung spricht man, wenn der Blutzucker unter einen Wert von 60 mg/dl (3,9 mmol/l) fällt. Hypoglykämien kommen bei Menschen ohne Diabetes so gut wie nie vor. Hingegen sind Unterzuckerungen bei Typ-1-Diabetikern eine fast unvermeidliche Begleiterscheinung der Insulintherapie. Aber auch Typ-2-Diabetiker, die insulinstimulierende Medikamente wie Sulfonylharnstofftabletten einnehmen, können Hypos bekommen.


 

So häufig kommen Hypoglykämien vor

Unterzuckerungen können nach ihrem Schweregrad unterschieden werden: Es können leichte, schwere und sehr schwere Unterzuckerungen auftreten.

 

Unter leichten Hypoglykämien versteht man Blutzuckerwerte unter 60 mg/dl, die aber von den Betroffenen rechtzeitig bemerkt und behandelt werden können. Sie kommen bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes relativ häufig vor. In einer an unserem Zentrum durchgeführten Untersuchung traten bei den 200 teilnehmenden Patienten im Durchschnitt etwa 2 mal pro Woche Blutzuckerwerte unter 60 mg/dl (3.3 mmol/L) auf. Patienten, die einen HbA1c-Wert von 6,5% oder niedriger erreichten, hatten sogar 5 mal pro Wochen einen niedrigen Blutzuckerwert. Bei Patienten mit einem niedrigen HbA1c-Wert sind leichte Unterzuckerungen somit ein mehr oder minder alltägliches Problem. Bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes, die mit Insulin behandelt wurden, traten niedrige Blutzuckerwerte mit einer Häufigkeit von ein- bis zweimal pro Monat deutlich seltener auf als bei Typ-1-Diabetikern.

 

Bei schweren Unterzuckerungen kommt es durch den Zuckermangel im Gehirn zu starken Bewusstseinseintrübungen, so dass der Betroffene sich in einem hilflosen Zustand befindet und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Schwere Unterzuckerungen kommen glücklicherweise vergleichsweise selten vor: Im Durchschnitt treten solche Ereignisse bei Menschen mit Typ-1-Diabetes etwas alle 2 Jahre einmal auf. Schwere Unterzuckerungen treten bei Menschen mit einem Typ-2 -Diabetes nur sehr selten auf. Die meisten Typ-2-Diabetiker erleben im Laufe ihres Lebens keine schwere Unterzuckerung.

 

Sehr schwere Unterzuckerungen gehen mit Bewusstlosigkeit einher und müssen durch Dritte mit Hilfe einer Glukose- oder Glukagoninjektion behandelt werden. Sie kommen bei Typ-1-Diabetikern nur alle 5 bis 6 Jahre vor. Untersuchungen zur Häufigkeit von Unterzuckerungen zeigen, dass das Hyporisiko nicht für alle Menschen mit Diabetes gleich hoch ist. Wer hat ein besonders hohes Risiko?


 

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Autor:

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer
Psychologischer Psychotherapeut
Fachpsychologe Diabetes DDG
Diabetes Zentrum Mergentheim


Auf folgender Webseite www.hypos.de steht eine Online Version zur Hypoglykämiewahrnehmung mit Auswertung zur Verfügung!

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