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Typ-2-Diabetiker sind weniger gefährdet

Obgleich auch bei der Behandlung mit insulinstimulierenden Tabletten Unterzuckerungen vorkommen können, sind Hypoglykämien vor allem eine unerwünschte Nebenwirkung der Insulinbehandlung. Doch selbst wenn ein Typ-2-Diabetiker mit Insulin behandelt wird, hat er ein deutlich geringeres Risiko für Unterzuckerungen als ein Typ-1-Diabetiker.

 

Dies kann zum Teil durch die Insulinrestleistung erklärt werden, da das Unterzuckerungsrisiko sehr stark davon abhängt, in wie weit der Körper noch eigenes Insulin produziert oder ein völliges Insulinversagen vorliegt. Das Vorliegen von körpereigenem Insulin ist ein Schutzfaktor vor schweren Unterzuckerungen. Denn damit funktionieren wenigstens noch teilweise die Schutzmechanismen des Körpers vor Unterzuckerungen, die Menschen ohne Diabetes vor Hypoglykämien bewahren. Ein Erkrankungsverlauf, der mit einem frühen Verlust der Insulinrestsekretion einhergeht, ist mit einem erhöhten Hypoglykämierisiko verbunden.

 

Typ-2-Diabetiker haben in der Regel eine Insulinrestproduktion, dagegen haben Typ-1-Diabetiker in der Regel nur noch sehr wenig oder überhaupt kein körpereigenes Insulin mehr. Dies erklärt zu einem großen Teil die Tatsache, warum Typ-2-Diabetiker weniger unterzuckerungsgefährdet sind als Typ-1-Diabetiker. Auch bei Typ-1-Diabetikern scheint das Vorhandensein einer geringen Insulinrestleistung eine relative große Bedeutung in Hinblick auf das Hypoglykämierisiko zu haben.

 

In der großen amerikanischen DCCT-Studie (Diabetes Control and Complication Trial) verminderte sich das Risiko schwerer Unterzuckerungen für Typ-1-Diabetiker mit einer noch vorhandenen Insulinrestleistung (gemessen mit Hilfe des sogenannten C-Peptid-Wertes) immerhin um 65%. Auch in einer an unserem Zentrum durchgeführten Untersuchung waren Typ-1-Diabetiker mit einer Insulinrestleistung deutlich weniger unterzuckerungsgefährdet.

 

Die DCCT-Studie zeigte zudem, dass das Risiko für schwere Unterzuckerungen nicht gleichmäßig verteilt ist. So trat während der gesamten Studiendauer von rund 10 Jahren bei ca. 30% der untersuchten Typ-1-Diabetiker keine einzige schwere Hypoglykämie auf, während bei jedem fünften Patienten fünf und mehr schwere Hypoglykämien zu verzeichnen waren. Es scheint also Patienten zu geben, die besonders unterzuckergefährdet sind, während andere Diabetiker ein relatives geringes Risiko für schwere Unterzuckerungen haben.


 

DCCT:

Die amerikanische DCCT-Studie (Diabetes Control and Complication Trial) ist die bisher umfangreichste Langzeitstudie (10 Jahre) zum Typ-1-Diabetes. Die Ergebnisse, die bereits 1993 veröffentlicht wurden, zeigten deutlich auf, dass durch eine gute, normnahe Stoffwechseleinstellung das Auftreten von diabetischen Folgeschäden verhindert bzw. hinauszögert werden kann. Allerdings stieg mit einer normnahen Blutzuckereinstellung auch das Risiko, eine schwere Unterzuckerung (Bewusstlosigkeit, Fremdhilfe) zu erleiden.

 

In der Praxis stellt das in der Studie beschriebene Problem das grundlegende Dilemma der Therapie des Typ-1-Diabetes dar:

  • Möglichst gute Blutzuckerwerte sind günstig um Folgeerkrankungen zu vermeiden, erhöhen aber das Risiko von Unterzuckerungen.
  • Eine schlechtere Blutzuckereinstellung vermindert das Unterzuckerungsrisiko, ist aber nicht günstig für die Entwicklung von Folgekomplikationen.

Interessant auch die Auswertung in Hinblick auf die Häufigkeit schwerer Unterzuckerungen. Jeder dritte Typ-1-Diabetiker hatte während der Studiendauer überhaupt keine schwere Unterzuckerungen, jeder fünfte Patient hatte allerdings Probleme mit gehäuften schweren Unterzuckerungen.


 

Mit den Jahren steigt das Hyporisiko

Viele Typ-1-Diabetiker haben wahrscheinlich auch bereits die Erfahrung gemacht, dass in den ersten Jahren der Erkrankung das Risiko einer schweren Unterzuckerung relativ gering ist.

 

 Je länger die Erkrankung jedoch besteht, desto eher werden Hypoglykämien zu einem Problem. Diese Erkenntnis konnte sowohl durch die DCCT-Studie, wie auch durch eine Reihe andere Studien bestätigt werden. Verantwortlich hierfür ist vor allem die Tatsache, dass es mit den Jahren schwieriger wird, die ersten Anzeichen einer Unterzuckerung rechtzeitig und sicher wahrzunehmen. Mit zunehmender Diabetesdauer berichten immer mehr Menschen mit Typ-1-Diabetes von einer verminderten Hypogklykämiewahrnehmung.

 

Eine gestörte Hypoglykämiewahrnehmung äußert sich darin, dass die betroffenen Patienten Hypoglykämien erst bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten oder gar nicht mehr wahrnehmen können. Hierdurch erhöht sich das Risiko für schwere Hypoglykämien um das 5- bis 6-fache. Aber auch das Auftreten von Folgekomplikationen aufgrund eines jahrelang schlecht eingestellten Diabetes wie zum Beispiel Nervenstörungen (Polyneuropathien) können dazu beitragen, dass der Umgang mit Hypoglykämien schwieriger wird.


 

Tiefe Blutzuckerwerte sind schlecht für die Wahrnehmung

Immerhin rund 30% aller Typ-1-Diabetiker berichten über Schwierigkeiten, Unterzuckerungen rechtzeitig und sicher wahrzunehmen. Hierfür sind vor allem auch tiefe Blutzuckerwerte verantwortlich. Treten diese häufiger auf, so passt sich der Körper daran an, so dass die Warnzeichen des Körpers für eine Gefährdung durch Unterzuckerungen erst später und nicht so stark ausgelöst werden.

 

Verständlicher wird dieser Anpassungsprozess, wenn wir einen kurzen Blick auf die Vorgänge im Körper während einer Unterzuckerung richten.

 

Besonders unterzuckerungsgefährdet sind Typ-1-Diabetiker, die

  • im letzten Jahr eine schwere Unterzuckerung hatten
  • die sehr häufig (oft nachts) niedrige Blutzuckerwerte (<80 mg/dl) haben
  • sehr ehrgeizige Blutzuckerzielbereiche anstreben
  • sehr sorglos und ohne häufige Blutzuckerselbstkontrolle Insulin spritzen
  • die Hypoglykämien nicht mehr rechtzeitig und sicher selbst wahrnehmen können
  • bereits sehr lange Diabetes haben
  • keine körpereigene Insulinrestleistung mehr haben
  • Nervenstörungen (Polyneuropathien) haben

 

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Pfeil links Unterzucker/Hypo

 

 

Testen Sie Ihre Hypoglykämiewahrnehmung mit Hilfe eines kurzen Fragebogens!

Fragebogen in mg/dl und mmol/l (74 KB)