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Was tun?

Bei ersten Anzeichen einer Depression sollten Sie zum Hausarzt gehen, der häufig Sie und Ihr persönliches Umfeld am besten kennt. Schämen Sie sich nicht zum Arzt zu gehen, denn es handelt sich bei Depressionen nicht um ein persönliches Versagen, sondern um eine zwar ernsthafte, aber gut zu behandelnde Erkrankung.

 

Bevor ihr Arzt aufgrund der Symptome eine Depression diagnostiziert, wird er in der Regel ausschließen, ob eine andere Erkrankung vorliegt. So wird er zum Beispiel überprüfen, ob Ihre Schilddrüse richtig arbeitet. Wenn Sie gleichzeitig auch Diabetes haben, sollten Sie sich nicht vorschnell mit der Begründung abfinden, Ihre Beschwerden würden sicher mit ihrem Diabetes zusammenhängen. Denn wahrscheinlich haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass bei körperlichen Problemen, die nicht leicht zu erklären sind, manchmal die Zuckerkrankheit als Begründung herhalten muss. Sprechen Sie daher auch den Arzt, der Sie wegen Diabetes behandelt, auf Ihre persönlichen Anzeichen einer Depression an. Vielleicht können Sie es ja einrichten, dass Sie zu einem Zeitpunkt zu Ihrem Arzt gehen, wenn dieser ein wenig Zeit hat. Für die Diagnose einer Depression ist ein ausführliches Gespräch unerlässlich.

 

Liegt eine schwere Form der Depression vor, so wird der Hausarzt eine Überweisung zum Facharzt vornehmen. Dies ist in der Regel ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Nervenarzt. Auch Psychologische Psychotherapeuten können abklären, welche Form der Depression besteht.


 

Behandlungserfolg bei 80 Prozent

Was viele Menschen nicht wissen: Mit der richtigen Therapieform können rund 80% der Erkrankten erfolgreich behandelt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige Diagnosestellung, die richtige Therapie und die Bereitschaft des Patienten, sich auf die Behandlung einzulassen. Als wirkungsvoll haben sich Medikamente und Psychotherapie erwiesen. Die besten Therapieerfolge sind bei einer Kombination beider Verfahren zu verzeichnen. Prof. Ulrich Hegerl erklärt dies so: "Bei einem depressiven Menschen sind immer sowohl die Physiologie als auch das Verhalten und Erleben verändert. Dies sind nur zwei Seiten einer Medaille. Es ist deshalb naheliegend, sowohl mit Medikamenten als auch mit Psychotherapie zu behandeln."


 

Moderne Medikamente helfen

Bei mittelschweren und schweren Depressionen ist eine Behandlung mit Antidepressiva sinnvoll. Die Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel im Gehirn. Sie fördern die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen durch die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Die Medikamente bewirken bei der Mehrheit der Patienten innerhalb von sechs Wochen ein Abklingen der depressiven Symptome.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich ein Patient auf die Behandlung einlässt. So muss er seine Vorurteile vor Medikamenten - den "Psychopillen" - ablegen.

 

Antidepressiva machen nicht abhängig, es dauert allerdings eine Weile bis die erste Wirkung eintritt. Auch ist die Wahl und Dosierung des Medikaments wichtig, die neben einer stimmungsaufhellenden Wirkung auch dämpfend oder aktivierend wirken können. Die wirksamsten Medikamente sind sogenannte Serotonin-Wieder-Aufnahmehemmer wie z.B. Prozac, tryzyklische Antidepressiva und bei leichteren Formen Johanniskrautextrakt in hoher Dosierung.

 

Für Menschen mit Diabetes sind vor allem die Serotonin-Wieder-Aufnahmehemmer geeignet, da sie keine Gewichtszunahme verursachen und die Blutzuckerwerte nicht negativ beeinflussen. Auch Johanniskrautpräparate, die zur Behandlung von Depression eingesetzt werden, wirken auf die gleichen Botenstoffe im Gehirn. Man sollte jedoch bedenken, dass sich Johanniskrautpräparate nur zur Behandlung leichterer Depressionen eignen. Ihre Dosierung gestaltet sich schwierig, da die Extrakte von Johanniskraut eine Vielzahl chemischer Substanzen enthalten und nicht genau bekannt ist, welcher dieser Inhaltsstoffe für den antidepressiven Effekt verantwortlich ist. Nur wenige der angebotenen Präparate dürften eine ausreichende Dosis an wirksamen Substanzen enthalten, so dass die große Gefahr besteht, keine ausreichende Wirkung zu erzielen. Bei mittelschweren und schweren Depressionen sind Johanniskrautpräparate deshalb nicht zu empfehlen.


 

Was Sie über Antidepressiva wissen müssen:

  • Haben Sie Geduld. Der gewünschte Effekt der Medikamente stellt sich häufig erst nach einer zwei- bis sechswöchigen Behandlung ein.
  • Antidepressive Medikamente sollten nicht abrupt ein- oder abgesetzt werden. Klingen unter der Behandlung mit Antidepressiva die depressiven Symptome ab, sollten Sie die Medikamente nicht einfach absetzen, da sonst die Depression sehr wahrscheinlich wiederkehrt. Es empfiehlt sich, die Behandlung zunächst für vier bis sechs Monate fortzuführen. Nach diesem Zeitraum sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob eine längerfristige rückfallverhütende Behandlung angebracht ist.
  • Viele Patienten fürchten, von Antidepressiva abhängig zu werden. Eine derartige Gefahr besteht zwar bei Beruhigungs- und Schlafmitteln, nicht jedoch bei Antidepressiva.
  • Die Sorge, die Medikamente könnten die Persönlichkeit verändern, ist nicht berechtigt. Patienten berichten im Gegenteil, dass sie sich nach einer erfolgreichen Behandlung sich wieder so gesund fühlen wie früher.
  • Moderne Antidepressiva haben den Vorteil, nur noch sehr geringe Nebenwirkungen zu haben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt jedoch über mögliche Nebenwirkungen. Der Beipackzettel ist hierzu oft nicht so gut geeignet, da er zahlreiche (auch sehr seltene) Nebenwirkungen aufführt, die Sie ohne weitere Information nur schwer richtig einordnen und gewichten können.

 

Hilfreiche Gespräche

Die andere bedeutsame Maßnahmen der Depressiontherapie bilden Gespräche mit entsprechend ausgebildeten Fachleuten (Psychotherapeuten).

 

Als wirksame Therapieverfahren bei der Behandlung der Depression haben sich besonders die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle Therapie und psychodynamische Therapieverfahren erwiesen. Ziel dieser psychotherapeutischen Interventionen ist es zum einen, ein besseres Verständnis für die Erkrankung und mögliche auslösende Schwierigkeiten oder Probleme zu bekommen.

 

Eine depressive Erkrankung führt zudem dazu, dass sich das Denken, Fühlen und Handeln einer Person stark verändert. Viele Betroffene ziehen sich als Folge der Erkrankung zurück und geben bisher lieb gewonnene Aktivitäten auf. Das Fehlen von sozialen Kontakten, Anregungen und Impulsen von außen verstärkt in der Folge jedoch zusätzlich die depressive Verstimmung und die Fixierung auf die eigenen Gedanken. Wissenschaftler sprechen hier von einer richtigen " Depressionsspirale" (siehe Abbildung).

 

Ziel der therapeutischen Gespräche ist es daher auch, Patienten dabei zu unterstützen, sich wieder aus dem eigenen "Schneckenhaus" zu wagen und Wege aus der Depressionspirale zu finden. Hierzu ist es oft auch notwendig, hinderliche Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen und gemeinsam mit dem Patienten bessere Strategien zu erarbeiten, mit Stress und belastenden Lebensereignissen umzugehen.


 
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Abbildung 1

 
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Abbildung 2


 

Ediths Resümee

Edith hat Glück gehabt, denn ihre depressive Erkrankung wurde rasch von Ihrem Arzt erkannt. Dieser hat auch sofort die richtigen Schritte eingeleitet. Edith stellte rückblickend fest: "Die Medikamente haben mir sehr geholfen, endlich wieder mehr Antrieb zu bekommen und den Grauschleier, der sich über mein Leben gelegt hat, zu vertreiben. Wichtig waren jedoch auch die Gespräche mit dem Psychotherapeuten, den mir mein Arzt empfohlen hat. In diesen wurde mir auch bewusst, dass mein Umgang mit dem Diabetes für die Entstehung meiner Depression eine große Rolle gespielt hat.

 

Die beginnenden Folgeerkrankungen und die daraus entstehenden Befürchtungen für die weitere Zukunft hatten mich stärker belastet, als ich es wahrhaben wollte. Ich dachte eigentlich immer, ich hätte meinen Diabetes im Griff, doch das stellte sich zunehmend als Trugschluss heraus. In den Gesprächen wurde mir zunehmend bewusst, dass ich meine Einstellung zum Diabetes und meinen Belastungsgrenzen ganz grundsätzlich verändern muss. Das war sehr heilsam."

 

Dr. Dipl.-Psych. B. Kulzer
Diabetes-Zentrum Mergentheim

 


 

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