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Wie entsteht eine Depression?

Die Veranlagung zur Depression kann genetisch bedingt oder auch erworben sein. Patienten mit einer entsprechenden genetischen Veranlagung neigen vermehrt dazu, bei belastenden Situationen oder auch ohne erkennbare Belastungen eine Depression zu entwickeln. Allerdings ist bis heute weitgehend ungeklärt, wie diese genetischen Faktoren genau aussehen. Die Hoffnung, ein einzelnes Gen für Depression zu finden, hat sich nicht erfüllt.

Aber auch bestimmte Persönlichkeitsfaktoren (z.B. geringes Selbstwertgefühl) können bei der Entwicklung einer Depression eine Rolle spielen. Ebenso können körperliche Erkrankungen wie zum Beispiel Schilddrüsenfunktionsstörungen eine Depression mit verursachen. Auch kann diese in Verbindung mit bestimmten Medikamenten, z.B. hochdosierter Cortisonbehandlung, auftreten. Hormonelle Veränderungen nach der Geburt ("Wochenbettdepression") oder während der Wechseljahre sind ebenfalls bekannte Faktoren für die Entstehung von Depressionen.

Darüber hinaus kann als sicher gelten, dass Belastungen verschiedenster Art bei der Auslösung von Depressionen eine wichtige Rolle spielen. Bedeutsam sind zum einen akute negative Lebensereignisse. Jeder 10. Mensch, der eine extreme Belastung wie z.B. einen Unfall oder einen Überfall erlebte, entwickelt eine Depression. Auch bei psychosozialen Belastungen, die eine Anpassung an neue Umstände erfordern, wie z.B. der Tod einer Bezugsperson oder eine Trennung, gehen häufig einer Depression voraus. Dabei scheinen vor allem Ereignisse, bei denen der Betroffene Hilflosigkeit erlebt, das heißt, das Gefühl hat, das Geschehen nicht kontrollieren oder beeinflussen zu können, eine Depression zu bedingen.

Aber auch chronische Belastungen wie alltäglicher Stress und Sorgen können auf lange Sicht eine Depression auslösen. Dies gilt auch für den Umgang mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder Epilepsie. Jedoch sind nicht bei allen Patienten derartige Auslösefaktoren im Spiel. Viele Depressionen treffen den Erkrankten fast ohne Vorwarnung wie aus heiterem Himmel, so als ob jemand "den Lichtschalter umgelegt" hätte.


 

Andere "Taktung" im Gehirn

Ist die Depression einmal ausgebrochen, zieht sie den ganzen Körper des Erkrankten in Mitleidenschaft. So werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, der Muskeltonus erhöht sich, der Schlaf-Wach-Rhythmus ist gestört, ebenso der Appetit und das Bedürfnis nach Sexualität. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass während einer Depression der Stoffwechsel des Gehirns gestört ist und diese neurobiologischen Veränderungen zu der gedrückten Stimmung, der Energielosigkeit, den immer wiederkehrenden Schuldgefühlen und einer Reihe anderer psychischer Symptome führen.

Unser Denken, Fühlen oder Handeln beruht auf der Aktivität unserer Nervenzellen im Gehirn. Wenn eine Nervenzelle aktiv ist, wird der Impuls entlang der Nervenfaser bis zu den Nervenendigungen, der Kontaktstelle mit anderen Nervenzellen (Synapsen) transportiert. Um den Impuls zur nächsten Nervenzelle weiterzuleiten, werden im Gehirn Botenstoffe - sogenannte Neurotransmitter wie zum Beispiel Serotonin oder Noradrenalin - ausgeschüttet, die den elektrischen Impuls bei der nächsten Nervenzelle wieder auslösen und damit den Impuls weitergeben.

 
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Bei Depressiven sind wahrscheinlich die Botenstoffe, wie das Serotonin und/oder Noradrenalin aus der Balance geraten. Sie sind entweder in zu geringer Konzentration vorhanden oder aber die Übertragung funktioniert nicht richtig. Viele antidepressive Medikamente setzen an dieser Stelle an und versuchen, den gestörten Hirn-Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aber auch Stresshormone wie Cortisol stehen in dem Verdacht, im Übermaß produziert Depressionen auszulösen.

 

Niedergeschlagen ist jeder einmal

Die Merkmale einer Depression kommen Ihnen wahrscheinlich bekannt vor: Denn wer hat nicht schon einmal Phasen der Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Energielosigkeit und Antriebslosigkeit erlebt, in denen man an sich selbst gezweifelt hat, sich wertlos fühlte, keine Freude mehr empfand und das Leben wie durch eine graue oder schwarz getönte Brille erlebte. Sicher hatten Sie auch schon einmal Zeiten, in denen Ihnen das Essen nicht recht geschmeckt hat, sie nicht richtig schlafen konnten, innerlich unruhig waren und Schwierigkeiten hatten, Dinge im Leben richtig anzupacken. Als vorübergehende Stimmung sind Zeiten der Niedergeschlagenheit eine eigentlich gesunde Reaktion auf Belastungen oder Verluste im Leben. Ähnlich wie der Schmerz eine Art Warnung vor Gefahren darstellt, sind Phasen der Traurigkeit und Niedergeschlagenheit wichtig, um bestimmte negative Erfahrungen zu verarbeiten und sich neu zu orientieren.


 

Ab wann ist eine Depression behandlungsbedürftig?

Bei einer depressiven Erkrankung dauern diese Phasen jedoch länger und verkehren sich von ihrem ursprünglichen Sinn ins Gegenteil. Statt nachzudenken, verfallen depressive Menschen ins Grübeln. Statt Gefühle zuzulassen, die helfen, schwierige Dinge im Leben zu verarbeiten, fühlen sie immer weniger: Die Augen strahlen nicht mehr, das Gesicht wirkt oft versteinert so dass man depressiven Personen ihr Leid förmlich ansehen kann. Statt sich zu erholen, ermüden Depressive immer mehr. Statt nach Lösungen zu suchen, verstricken sie sich in Schuldvorwürfen, negativen Gedanken und einem Meer der Hoffnungslosigkeit. Und im Unterschied zu Menschen, die einfach traurig sind, lässt sich ein depressiver Mensch nicht von seinen Empfindungen ablenken. Es ist ihm egal, ob die Sonne scheint oder ob es regnet, ob schöne Dinge im Leben passieren oder die eigene Lebensbilanz gar nicht so schlecht ausfällt.


 

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